Unterwegs ohne Erwartungen
Einfach los. Ohne großen Plan - Es war keine lange Planung. Eher ein Gedanke am Abend, der plötzlich klar wurde. Ich will weg. Nicht weit weg im klassischen Sinne, sondern einfach raus. Den Kopf frei bekommen, etwas für mich machen, neue Menschen treffen und wieder mehr Natur sehen. Porto war greifbar, Flüge verfügbar, und so wurde aus einer Idee sehr schnell Realität. Kein großes Abwägen, keine langen Zweifel. Einfach Entscheidung und los!
Schon auf dem Weg dorthin fühlte sich alles leicht an. Ein Zug, ein Flug, ein bisschen Warten, ein bisschen Chaos. Nichts Besonderes und trotzdem anders als sonst. Vielleicht, weil ich wusste, dass mich am Ende nicht einfach ein Ziel erwartet, sondern ein Weg. Kein Plan, kein durchgetakteter Ablauf, keine Verpflichtungen. Nur ich und die Strecke vor mir.
Der erste Stempel fühlt sich anders an…
Der erste Tag in Porto war ruhig und fast ein bisschen vorsichtig. Ein Spaziergang durch die Stadt, der Pilgerpass aus der Kathedrale, die zwei Euro, die man dort zahlt, und auf Wunsch noch der Besuch selbst. Der erste echte Stempel kam dann unten im Café direkt gegenüber. Irgendwie passender als im offiziellen Gebäude. Zwei Filme voll fotografiert, einfach weil alles interessant war. Müde zurück ins Hotel. Morgen geht es los. Dieses „morgen“ hatte Gewicht. Ein bisschen Unsicherheit, aber vor allem Vorfreude auf das, was kommt.
Der Moment, in dem das Meer wieder da ist
Am Atlantik! … Und dann der Ozean. Schwer zu beschreiben, aber sofort vertraut. Ich bin am Meer aufgewachsen, in Odessa am Schwarzen Meer, und vielleicht fehlt mir genau das am meisten im Alltag in Deutschland. Dieses Gefühl von Weite, Wind und Salz in der Luft. Der Atlantik ist anders, rauer, kälter, aber er gibt dir sofort Ruhe. Und gleichzeitig Energie. Man bleibt automatisch stehen, schaut raus und denkt für einen Moment an nichts anderes.
Warum eigentlich nicht schon früher?
Die ersten Tage waren einfach. Nicht unbedingt körperlich, sondern im Kopf. Du gehst, du schaust, du redest mit Menschen, wenn es passt und wenn es sich richtig anfühlt. Manchmal hörst du ein Hörbuch, ich hatte zum Beispiel „Schnelles Denken, langsames Denken“ dabei. Und manchmal gehst du einfach still weiter und hörst nur den Wind und die Wellen. Es gibt kein „du musst“. Nur ein „du kannst“. Genau das nimmt Druck raus und macht den Weg so angenehm.
Es gab keinen Moment, in dem ich dachte, warum bin ich hier. Eher im Gegenteil. Warum habe ich das nicht früher gemacht. Dieser Gedanke kam ziemlich schnell, schon nach den ersten Etappen. Und auch das Gefühl, dass das nicht das letzte Camino sein wird. Vielleicht länger, vielleicht anspruchsvoller, vielleicht mit mehr Zeit. Der Weg macht Lust auf mehr.
Gehen, reden, schweigen. Alles darf!
Am meisten bleibt mir bisher die Kombination aus allem. Der Weg entlang des Ozeans, die Gespräche mit Menschen, die man vorher nie gesehen hat, und die kleinen, unscheinbaren Momente dazwischen. Einer davon ist mir besonders im Kopf geblieben. Eine dunkle Wolke, die langsam auf die Stadt zuzieht. In diesem Moment hatte ich sofort ein Bild vor Augen, fast wie aus einem Roman. Irgendwo zwischen Realität und Erinnerung.
Am Ende bleibst nur du selbst
Der Camino verändert dich nicht plötzlich in etwas anderes. Er nimmt dir eher das, was sich im Alltag ansammelt. Wenn du gehst, wird vieles leiser. Gedanken ordnen sich, Dinge verlieren an Gewicht. Am Ende bleibt das übrig, was wirklich zu dir gehört. Wenn du ruhig bist, wird der Weg ruhig. Wenn du offen bist, triffst du offene Menschen. Es ist kein Wunder. Es ist eher ein Spiegel.
Und genau das macht diesen Weg so besonders!
Buen Camino!
Aufgenommen auf B& W 35-mm-Film: AGFAPHOTO APX 400 + AGFAPHOTO APX 100
Color Negative 35-mm-Film: FUJIFILM 200 + KODAK GOLD 200
Mit der quietschenden Canon A1 🙈
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